Nebenhoden – verkannten Garanten der Fruchtbarkeit

Auf die Frage, was die Potenz eines Mannes ausmacht würden die meisten Menschen wohl mit „Hoden“ antworten. Doch dies ist nur der kleinere Teil der Wahrheit. Maßgeblich sind vor allem die, ebenfalls im Hodensack befindlichen, Nebenhoden (Epididymis).

Lage und Aufgabe der Nebenhoden

Etwas versteckt hinter den Hoden ziehen die Nebenhoden sich am hinteren Ende des Hodensacks nach unten entlang. Ihre etwa 5 cm Größe beschreibt hierbei eine gebogene Form. Grafisch dargestellt schmiegt diese sich, betrachtet man einen Körper von vorne, also eng an die komplette Rückseite der Hoden und noch weiter. Die Nebenhoden nehmen die im Hoden produzierten Spermien über einen kleinen Leiter auf und lassen sie durch einen etwa 6 cm langen Leiter immer weiter zu ihrem hinteren Ende, dem Nebenhodenschwanz, wandern. Dieser Leiter ist ein eng gewundener kleiner Schlauch. So legen die Spermien auf ihrem, von außen betrachtet 6 cm langen Weg, eine Strecke von insgesamt etwa 6 Metern zurück.

Auf dieser, etwa 12 Tage dauernden Wanderung, welche durch Kontraktionen im Kanal hervorgerufen wird, bekommen die Spermien wichtige Moleküle aus Eiweiß und Zucker. Diese sind maßgeblich dafür, dass die Spermien später ihre Beweglichkeit haben, ihr Ziel erreichen und somit auch dafür, dass es überhaupt zu einer Befruchtung kommen kann. Die Moleküle werden im Wesentlichen durch den Kontakt mit den Wänden des Leiters an die Spermien weiter gegeben.

Am Ende ihres Weges werden die Spermien bis zu ihrem Einsatz im Nebenhodenschwanz gespeichert und von dort aus über eine Kontraktion in den Samenleiter und die Harnröhre abgegeben sobald der Mann ejakuliert.

Neben der Funktion als Samenlager sind die Nebenhoden also vor allem durch die Reifung der Samen unverzichtbar, welche diesen erst ihre Fähigkeit den Ort der Befruchtung zu erreichen und dem Mann hierdurch seine Fruchtbarkeit gibt. Nicht verwechseln sollte man dies jedoch mit der tatsächlichen Fähigkeit die Eizelle zu befruchten. Diese, nämlich die Fähigkeit in eine Eizelle einzudringen, kann ein Spermium erst im Körper einer Frau erlernen, da die Wirkung des Östrogens hierfür unverzichtbar ist.

Erkrankungen der Nebenhoden

Neben der erblich bedingten und sehr seltenen Von-Hippel-Lindau-Erkrankung, die zu Tumoren führen kann, welche eigentlich gutartig sind, jedoch den Samenleiter blockieren und dadurch eine Unfruchtbarkeit erzeugen können, und einer auf Mumps zurückzuführenden Hodenentzündung bei Jungen, die in den seltensten Fällen auch auf die Nebenhoden übergreifen kann, gibt es nur eine wirklich häufig vorkommende Erkrankung der Nebenhoden. Hierbei handelt es sich um die Nebenhodenentzündung. Diese ist äußerst schmerzhaft und sollte auf alle Fälle behandelt werden, um die Fruchtbarkeit auf Dauer zu gewährleisten.

Vorbeugung gegen Erkrankungen

Das Tragen eines Schutzes bei körperlich gefährlichen Sportarten ist gegen Schläge hilfreich. Auch ein Kondom beim Geschlechtsverkehr ist empfehlenswert um sexuell übertragbare Keime fernzuhalten. Mit diesen Maßnahmen senkt man die Gefahr einer Nebenhodenentzündung deutlich.

Eine als unangenehm aber harmlos empfundene Harnwegsentzündung sollte auch stets behandelt und gut auskuriert werden. Denn diese kann ebenfalls auf die Nebenhoden übergreifen.